Gestern bei McD´s [Punker, Emos und Barbies]

Gestern waren mein Freund und ich im Kino und haben Merida gesehen. Ein toller Film! Zuvor waren wir bei der großen Fastfoodkette mit dem gelbem M und haben eine Kleinigkeit gegessen. Zwei Tische weiter saßen drei Mädels. Geschätztes Alter 14-15. Eine Punkerin, ein Mädel im Emo-Style, die Dritte eher Marke Barbie mit langen Haaren, die sie immer gekonnt über ihre Schultern in Szene warf.
Die drei waren so verschieden, dass ich mich fragte, was die dort zusammen taten. Freundinnen? Kaum vorstellbar. Schwestern? Unwahrscheinlich.
Während die Barbie erst einmal mit ihrer Wimpernzange ihre Wimpern zurecht bog, (ehrlich, ich habe noch nie gesehen, dass jemand in einem Lokal eine Wimpernzange benutzt), flätzte sich die Punkerin gelangweilt auf ihren Sitz und starrte vor sich hin; das Emo-Mädchen tippte fleißig auf ihrem Smartphone. Nach der Wimpernzange tuschte sich Barbie die Wimpern, trug Kajal und Lippenstift auf und bewunderte sich ausgiebig im Spiegel. Anschließend war sie dann nur noch mit ihrem Handy beschäftigt. Zu sagen hatten die drei sich nichts. Der Punkerin war die Langeweile ins Gesicht geschrieben, das Emo-Mädchen spielte eher genervt auf ihrem Smartphone, einzig die Barbie schien ihren Spaß zu haben.
Wenn meine Freundinnen und ich früher unterwegs waren, lief das irgendwie völlig anders. Ich weiß, das ist hundert Jahre her, damals gab es noch keine Handys und eine Fastfoodkette gabs in unserer kleinen Stadt auch noch nicht.
Wir trafen uns immer im Eiscafé, kamen uns unheimlich erwachsen vor, wenn wir einen Cappuccino bestellten und wir unterhielten uns dabei doch tatsächlich. Es gab so viel zu erzählen. So viel zu berichten. So viel zu lachen und zu lästern. Wir wären doch nicht ins Eiscafé gegangen, um uns anzuschweigen.
Im Zeitalter von Handys und Smartphones gibt es vermutlich nicht mehr so viel zu erzählen, weil man sich alle drei Minuten eine SMS schickt und regelmäßig seinen Facebookstatus aktualisiert.
Seit einiger Zeit beobachte ich immer wieder Jugendliche im Café, aber auch Erwachsene, die zusammen dasitzen und doch irgendwie alleine sind. Jeder tippt nur noch auf seinem Handy herum, das Gegenüber wird kaum angeguckt, ab und zu reicht man ein Handy herum, um ein Bild oder Video zu zeigen. Kommunikation scheint nur noch auf diesem Wege möglich zu sein. Bald heißt es im Café nur noch »bkw«, wenn man auf die Toilette geht (bin kurz weg) oder lol, wenn man sich ein lustiges Bild anguckt. »CU« »ROFL«
Das ist für mich keine Kommunikation. Da kann man dann genauso gut zu Hause bleiben, sich selbst einen Tee oder oder Kaffee zubereiten und gleich via Facebook miteinander kommunizieren.
Ich nutze auch ein Smartphone, aber wenn ich mich mit Freunden treffe, dann bleibt es in der Handtasche und ist auf lautlos eingestellt, es sei denn man macht kurz ein Foto.
Ich finde Sprüche wie »früher war das anders« »früher war alles besser« richtig blöd. Aber inzwischen stelle ich mit Erschrecken fest, dass ich öfter Vergleiche zu früheren Zeiten ziehe und fest stelle, dass viele Dinge früher besser waren. Manche einfacher. Einiges war sicherlich auch schlechter. Und heutzutage ist vieles auch einfacher.
Vielleicht hatten wir als Kinder/Teenies früher ohne Handys im Eiscafé mehr Spaß. Ein Cappuccino war noch »italienisch« und etwas, das man nicht alltäglich trank. Auch das hat sich geändert. Das kann man positiv oder negativ sehen. Ich finde Coffeeshops toll, trinke gerne und viele Chai Lattes und Cappuccinos. Aber dadurch wird es eben auch alltäglich und manchmal ist es ganz schön, etwas Besonderes zu haben.

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