Geht es noch um Bücher?

Kommt es mir nur so vor, dass Leser immer aggressiver werden? Zumindest wenn es sich um Buchkritiken handelt? Oder ist das ein falscher Eindruck?
Seit einiger Zeit beobachte ich (nicht nur) bei Amazon, dass man besser kein Buch mit weniger als 4 Sternen bewerten sollte. Und rezensiert man es noch so ausführlich, erklärt sich, warum man das Buch nur mittelmäßig oder eher nicht empfehlenswert findet, all das schützt einen nicht vor Vorwürfen man sei neidisch oder zu blöde das Buch zu verstehen oder man würde wohl schlicht aus Langeweile tolle Werke verreißen, womöglich im Auftrag der Konkurrenz.
Das Leben spielt sich nicht mehr auf demn Buchportalen ab, sondern in den Foren, Rezensionsplattformen etc. Da hat dann ein Buch 20 Bewertungen, aber 150 Kommentare von erbosten Lesern, die den 3 Sterne Vergebern anscheinend den Kampf angesagt haben. Und ich rede nicht nur von Selbstverlegern, sondern auch von bekannten Büchern, namenhafter Autoren.
Beate K wagt es das Lieblingsbuch von Claudia R mit 3 Sternen zu bewerten. Sie bemängelt in ihrer Rezension, dass die Figuren zu klischeehaft dargestellt werden, dass die Dialoge gestelzt klingen und die Handlung zum Teil unrealistisch wirkt. Dazu führt sie Beispiele an. Anhand der Beispiele dürfte jedem normal denkenden Mensch klar werden, okay, logischer Handlungsverlauf sieht anders aus. Dem einen Leser ist Authentizität nicht so wichtig, dem anderen umso mehr. Ist doch legitim. Manche stören sich an Schachtelsätzen. Andere an schlechter Grammatik. Manch einer mag verworrene Handlungsstränge.
Kann man die Meinung des anderen nicht einfach so stehen lassen. Ohne dem Rezensenten Pedanterie zu unterstellen, oder mangelnde Intelligenz oder fachliche Inkompetenz? Statt sich mit dem nächsten Buch zu befassen, bricht ein Kleinkrieg unter den Rezensenten los. Nicht nur auf Amazon. Auch in anderen Schreib/-Rezensionsforen. Liest man da noch um des Lesens Willen? Oder dient das Buch nur noch zur Tarnung. Den anderen Intellektualität vorgaukeln und unter dem Deckmantel des Bücherwurms Buchkritiken Stück für Stück zerfetzen, den Kritikern wenig originelle Schimpfwörter »zurufen« und sich selbst so ein Stückchen aufwerten.
Schaut man sich bei Amazon ein wenig um, so wird einem klar, die Bücher sind irgendwie zweitrangig geworden. Und das finde ich schade. Ich fände es besser, die Leute würden einfach mehr lesen, statt Kleinkriege mit Rezensenten anzufangen. Wie viele Seiten mehr pro Tag würde man da wohl schaffen? 50? 100?

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