Brixton Hill von Zoe Beck

Brixton Hill. Den Titel finde ich schon grandios.

Der Roman behandelt gleich mehrere aktuelle Themen. Sicherheit im Umgang mit dem Internet und Cyberstalking, Gentrifizierung, soziale Schichten und die gegenseitigen Vorurteile und das Aufwachsen in einer Familie, in der Gefühle tabu sind.

 Kurzinhalt:

Ein Luxushochaus in der Canary Wharf. Als die Klimaanlage ausfällt und sich das Bürogebäude mit Rauch füllt, springt Ems Freundin Kimmy in Panik aus dem Fenster des 15. Stockwerks.

Die Polizei verdächtigt Em, da sich jemand mit ihrem Handy per Wlan in das System des Gebäudes eingehackt hat. Em jedoch verdächtigt einen Mann, der sie seit einiger Zeit per Email und Twitternachrichten belästigt. Doch die Polizei nimmt das nicht ernst. Schon bald befindet Em sich auf der Flucht vor der Polizei, während sie gleichzeitig versucht herauszufinden, wer es auf sie abgesehen hat.

 Brixton Hill überzeugt durch einen flüssigen Schreibstil, glaubhafte Charaktere und einen gekonnt eingesetzten Spannungsbogen. Zur Zeit kann ich mich schlecht konzentrieren, aber meine Befürchtung, dass sich das auf das Lesen auswirken könnte, war unbegründet. Die über 300 Seiten sind super schnell gelesen. Schon ab der ersten Seite fesselte mich die Geschichte.

Sämtliche Personen sind fein heraus gearbeitet. Das mag ich so an den Büchern von Zoe Beck. Keine noch so nebensächliche Figur bleibt farblos. Sie schafft es, ohne zu viel ausschmücken zu müssen, den Figuren eine Kontur zu verleihen, so dass man sie mühelos bildlich vor sich sehen kann. Die emotionale Kälte von Ems Familie ist so überzeugend geschildert, dass ich an einigen Stellen schlucken musste. Ja, genauso geht es in einigen Familien zu, dachte ich. Bewundernswert, wie die Autorin es schafft, diese Atmosphäre zu erzeugen, ohne langatmig zu werden oder abzuschweifen.

Was den Roman auch anders macht, ist die Rolle der Polizei. Diese spielt nur eine nebensächliche Rolle. Und besonders gut kommen die Beamten auch nicht weg. Sie kommen auch nicht besonders schlecht weg. Abgesehen von dem Vorfall mit Tobs. Die Polizei wird einfach schonungslos real dargestellt. Überfordert, mit zum Teil unerfahrenen Beamten, die das für sie Offensichtliche als Wahrheit annehmen und die zu schnelle Schlüsse ziehen.

Dies ist kein Krimi/Thriller, in dem ein heldenhafter Polizist durch kluge Fragen den Fall löst. Auch kein Privatdetektiv. Oder ein Freund. Auch die Protagonistin hat wenig heroisches an sich. Sie versucht einfach nur zu überleben und sich selbst zu helfen. Natürlich hat sie Leute, die ihr helfen. Aber die sind auch herrlich normal und keine „Übermenschen“.

Die „Guten“ in dem Buch sind nicht nur gut, und die „Bösen“ nicht nur böse. Das ist das, was mir besonders gefällt.

 Anmerkung zur Debatte Krimi oder Thriller:

Einige Rezensenten haben geschrieben, es sei kein Thriller sondern ein Krimi, und sie hätten mehr Sterne vergeben, wenn das Buch als Krimi gekennzeichnet gewesen wäre.Ich habe mich daraufhin gefragt, wie ich einen Krimi definieren würde und wie einen Thriller und ob oder wie ich da einen Unterschied sehe. Mir ist die Bezeichnung egal. Aber Thriller empfinde ich nicht als falsch. Wäre das Buch als Krimi betitelt worden, hätte ich damit auch kein Problem. Probleme habe ich mit zu grausamen Szenen in Büchern, unglaubwürdigen Plots und abstrusen (Mord-) Motiven.

All das kommt in Brixton Hill nicht vor. Zum Glück. Manch einer mag nur Thriller, in denen viel Blut fließt, und wo die Spannung so künstlich hochgehalten wird, dass über zahlreiche Logikfehler hinweggesehen wird. Das ist alles eine Frage des Geschmacks. Und was einem wichtig ist. Mir ist ein Thriller wie Brixton Hill, der durch gute Recherche und nachvollziehbare Handlungen besticht, tausendmal lieber als künstlich erzeugte Spannung, wo das Ende bzw die Auflösung nicht überzeugen kann.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Brixton Hill von Zoe Beck

  1. Da ist Zoë Beck ein wirklich guter Thriller gelungen. Und diese Diskussion, ob die Schublade „Thriller“ nun die passende sei, halte ich für überflüssig. Vom Verlag werden Bücher halt oftmals aus Marketinggründen einem Genre zugeordnet. Mir ist – genau wie Dir – die Zuordnung egal. Wichtig ist: Wo Zoë Beck draufsteht ist auch Zoë Beck drin!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s