Prolog

 
ImageBild:  evgeny atamanenko/bigstockphoto.com

Prolog

Ich habe mein Spiegelbild umklammert, als sie kamen; den silbernen Handspiegel fest an mich gedrückt und mir gewünscht, sie wäre hier und würde mich in den Arm nehmen. Als ich wieder in den Spiegel sah, war ich verschwunden, stattdessen blickte mir eine fremde Person entgegen, die früher einmal Ähnlichkeit mit mir hatte.
Gedankenverloren strich ich über das kalte Glas und berührte meine Narbe neben der Lippe, versuchte mich ihrer Herkunft zu erinnern und malte mit zittrigen Fingern ein Herz mitten auf meine Stirn. Doch der Abdruck verblasste, noch bevor sich die Striche unten berührten und so war es kein Herz, war nie eins gewesen.
Ich hielt die Luft an, als die Rufe unten lauter wurden, presste den kleinen Spiegel fest an meine Brust, sodass mein Gesicht in einem Meer aus blauem Kaschmir verschwand. Ich dachte an Noelle und betete, dass sie zu sich kommen und beruhigend auf mich einreden würde. Doch das würde nicht passieren. Noelle war fort. Für immer. Alles, was mir von ihr geblieben war, waren ihre Schreie in meinem Kopf. Jeden Tag. Jede Stunde. Jede Minute.
Als die Tür aus der Angel gerissen wurde und Holzsplitter wie Pfeilspitzen aus dem Rahmen brachen, ließ ich den Spiegel fallen.
Sie ließen ihn mich nicht aufheben, zogen mich weg von den Fliesen, weg von dem Blut, den Scherben und dem Messer, in dessen Klinge sich meine Narbe spiegelte. Ich versuchte mich loszureißen, ich konnte hier nicht weg. Ich konnte sie nicht alleine lassen.
Das dazugehörige Buch erscheint in Kürze. Neuigkeiten hierzu poste ich regelmässig auf diesem Blog.
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