Interview mit Nathan O’Brian

Image Bild (c) khrizmo Bigstockphoto.com

 

Ich traf Nathan O’Brian, Protagonist aus dem Thriller „Todesschwestern“ zu einem Interview  am Strand von Brighton.

Mr O’Brian, Können Sie uns etwas über den Alltag eines Privatermittlers erzählen? Die meisten Menschen denken dabei ja an Action und Abenteuer, wilde Verfolgungsjagden und Schießereien. Sieht so Ihr Alltag aus?

O`Brian schmunzelt. Nein, keineswegs. Ich fahre um acht, halb neun Uhr morgens ins Büro, mache ungefähr eine Stunde lang Papierkram und führe Telefonate. Ab zehn Uhr empfange ich Klienten. Die meisten machen vorher einen Termin aus, was auch ratsam ist, da ich viel außer Haus bin. Überwiegend suche ich vermisste Leute oder beschatte Menschen, die im Verdacht stehen zu betrügen, ob nun geschäftlich, im Eheleben oder in anderen Bereichen.
An manchen Tagen sitze ich bis zu sechs Stunden im Auto und warte darauf, eine Person in einer prekären Situation zu fotografieren. Das ist alles andere als ein Abenteuer. Vor allem im Sommer. Stundenlanges Sitzen im Auto und bei jedem Schluck Wasser, den man trinkt, die Angst doch auf die Toilette zu müssen.

In einem Buch habe ich einmal gelesen- ich weiß nicht mehr, ob es ein Polizist oder ein Privatdetektiv war- jedenfalls hat diese Person jemanden beschattet und im Auto in eine Plastikflasche uriniert.

Ja, das wäre wohl eine Möglichkeit. Ich trinke dann aber lieber nichts und gehe auf eine Toilette, sowie die Zeit es erlaubt.

Keine wilden Verfolgungsjagden? Keine Schießereien?

Nein, Verfolgungsjagden kamen bis jetzt nicht vor. Vielleicht kommt das ja noch. Und was die Schießereien betrifft, zwar gibt es auch Großbritannien Vorfälle, in denen Schusswaffen eine Rolle spielen, aber nicht in dem Ausmaß wie in den USA und den entsprechenden Serien, die man aus dem Fernsehen kennt. Aber die Gewalt nimmt stetig zu.

Sechs Stunden im Auto sitzen und ein Haus im Auge zu behalten, bis die entsprechende Person herauskommt, klingt nicht gerade aufregend.

Das ist es auch nicht. Einmal sollte ich einen Mann beschatten, der von seiner Ehefrau verdächtigt wurde, fremd zu gehen. Die Klientin war sich sicher, dass ihr Mann sie betrügt. Ich folgte dem Typen also den halben Tag. Nach fünf Stunden kam er aus dem Haus einer Frau, die ich für seine Geliebte hielt. Im Endeffekt stellte sich heraus, dass es sich um seine Schwester handelte, von der ich zwar wusste, aber von der ich eine falsche Adresse von der Klientin bekommen hatte.

Kommt so etwas häufiger vor, dass Klienten Ihnen absichtlich oder versehentlich etwas verschweigen oder Ihnen falsche Informationen geben.

Ja, wobei häufig absichtlich etwas verschwiegen wird. Die Leute, die mich beauftragen sind oftmals verzweifelt, aber gleichzeitig haben sie Angst davor, dass etwas aus ihrem Privatleben ans Licht kommt, das keiner wissen soll. Das ist ganz natürlich, schließlich hat jeder seine mehr oder weniger kleinen Geheimnisse. Und im Regelfall stört dies niemanden. Aber wenn es darum geht, jemanden zu finden, der abgehauen ist, dann ist es schon wichtig zu wissen, ob es vorher einen Streit gegeben hat und worum es dabei ging. Da hadern die Leute oft. Erzählen Halbwahrheiten oder verschweigen wichtige Dinge, um selbst nicht in einem schlechten Licht dargestellt zu werden. Dann liegt es an mir, genug Fingerspitzengefühl zu entwickeln, um den Leuten ihre Geheimnisse zu entlocken und ihnen gleichzeitig nicht das Gefühl zu geben, dass sie komplette Idioten sind oder einen furchtbaren Fehler begangen zu haben.

Ein Job also, der ziemlich viel Feingefühl erfordert?

Ja, wenn man seine Sache gut machen will, auf jeden Fall.

Sie haben vor über einem Jahr den Polizeidienst quittiert. Eine Entscheidung, die sie inwzischen bereuen?

Nein. Auch wenn ich jeden Monat Angst haben muss, meine Miete nicht bezahlen zu können. Im Moment ist es die richtige Entscheidung.

Können Sie sich vorstellen, zur Kriminalpolizei zurückzukehren?

Sagen wir mal so, ich schließe es nicht komplett aus. Aber im Moment bin ich zufrieden, wie es ist.

Wann endet Ihr Arbeitstag und was machen Sie in Ihrer Freizeit? Haben Sie überhaupt freie Tage?

Das kommt drauf an, an welchen Aufträgen ich gerade arbeite. Manchmal kann ich um 18 Uhr Feierabend machen, manchmal muss ich nachts los und jemanden beschatten. Ich versuche mir das Wochenende frei zuhalten, was allerdings nicht so einfach ist. Wenn ich frei habe, hänge ich gerne faul auf der Couch herum, esse Pizza und gucke Fußball. Ich bin Arsenal-Fan.
Ansonsten stemme ich Gewichte, um mich fit zu halten und jogge am Strand. Ab und zu koche ich auch.

Sie können kochen?
Oh ja. Aber nur Nudelgerichte. (Lacht)

Danke für die Zeit, die Sie sich genommen haben!

 

 

 

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3 Gedanken zu “Interview mit Nathan O’Brian

  1. Nun habe ich ihn kennengelernt. Wirklich, ein sympathischer Typ. Nicht nur in seiner Rolle als Detektiv, sondern auch als Mensch. Wie er jemanden, der verzweifelt ist, wieder eine Perspektive für’s Leben gibt!

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