Sind E-Books nichts wert?

 

Immer wieder verfolge ich Diskussionen um E-Book-Preise. Sei es unter Selfpublishern oder unter den Lesern. Viele Autoren bieten ihr neues E-Book zu einem Angebotspreis von 0.99 Cent an. Das mache den Markt kaputt, bemängeln andere Autoren. Fakt ist, dass – vor allem unbekannte Autoren – nur so eine Chance haben, ihr Buch sichtbar zu machen.
Selfpublisher haben es außerhalb von Amazon schwer ihr Buch in den einzelnen Shops sichtbar zu bekommen, deswegen konzentrieren sich viele auf Amazon.
Während das Buch bei Thalia den Lesern nur angezeigt wird, wenn man den Titel in die Suchmaske eingibt, wird es bei Amazon unter den Neuerscheinungen angezeigt, bei den Aufsteigern des Tages, und in den einzelnen Kategorien, in die es gelistet wurde. Hat man viele Verkäufe, erscheint man auch unter »Kunden kauften auch…«
Natürlich muss man dafür auch bei Amazon einige Bücher verkaufen, damit man sichtbar wird, aber dort ist es dennoch einfacher.
Was nix kostet, kann nix sein. So denken viele Leser und machen einen Bogen um 0.99 Cent Bücher. Aber die Geiz-ist-geil-Mentalität scheint dennoch zu überwiegen.
Eins meiner Bücher wurde von einer Leserin »gelobt«, sie schrieb, wie toll sie es fand, hatte nichts zu bemängeln bis auf— den Preis. 2.99 seien ihr zu teuer und deswegen zog sie zwei Sterne ab und vergab 3 von 5 Sternen. Im letzten Satz erklärte sie dann aber, dass sie das E-Book in der Gratisaktion (die ich ganz zu Beginn laufen hatte) auf den Kindle geladen hätte, ihr der Preis aber zu hoch sei. Hä?
Das Buch hat 163 Taschenbuchseiten. Da finde ich 2.99 nicht überteuert. Ich habe lange daran geschrieben. Das vergessen einige Leser wohl. Bücher machen viel Arbeit. Und wenn man noch Ausgaben für Cover, Lektorat etc hat, dann kann man keinen Schleuderpreis von 0.99 Cent anbieten.
Ich finde, dass ein E-Book weniger kosten sollte, als das Taschenbuch. Viele Verlage sehen das anders, aber das soll hier nicht Thema sein. Auch finde ich, dass man für 100 Seiten keine 5.99 verlangen sollte. Oder aber 2.99 für 30 Seiten.
Mein Thriller Todesschwestern hat 204 Taschenbuchseiten. Er kostet 2.99. Ich hatte Ausgaben für das Cover, für ein professionelles Lektorat und für Marketingaktionen. Ganz zu schweigen von der Arbeitszeit. Ich habe Monate an dem Buch gearbeitet, bin immer wieder die einzelnen Kapitel durchgegangen, habe Logikfehler ausgebügelt, überarbeitet, überarbeitet und nach dem Lektorat noch mal das gesamte Manuskript überarbeitet. Man schreibt nicht einfach Seite für Seite und schickt es dann an den Lektor und der macht dann den Rest und dann lädt man es bei Amazon usw. hoch. Wer professionell schreibt/ schreiben möchte, hat viel mehr Arbeitsschritte. Dafür braucht man zum Teil auch viel Konzentration, wenn man eine Szene zum zehnten Mal durchgeht und immer noch nicht alle losen Ende zusammenpassen. Wenn man eine Änderung in Kapitel 10 vornehmen musste und somit das erste Kapitel hinfällig ist, weil es nach der Änderung nicht mehr passt. Ja, schreiben macht einen großen Teil aus. Aber der größte Teil macht die Überarbeitung aus. Das Glätten. Das verweben von losen Enden. Das Verschönern von Sätzen. Nicht selten saß ich bis spät nachts am Manuskript und bin ein und dasselbe Kapitel zum x-ten Mal durchgegangen, weil es »unrund« wirkte. Nicht für das eigene Ego. Das spielt vielleicht auch eine Rolle. Aber natürlich will ich meinen Lesern einen möglichst guten Text bieten. Er soll Freude an dem Buch haben, sich unterhalten fühlen. Keine komplizierten Bandwurmsätze. Keine widersprüchlich agierenden Protagonisten. Ich weiß, warum Person X im Kapitel 9 dieses und jenes macht. Aber ich will auch, dass der Leser es weiß, dass er die Angst spürt, die der Protagonist durchlebt. Er soll mitfühlen, mitfiebern und mitleiden. Und am Ende natürlich möglichst zufrieden das Buch zuklappen. Oder eben den Reader ausschalten.
All das ist zeitaufwendig und erfordert viel Hingabe und Konzentration. Und Spaß. Und ich möchte weiterhin Spaß am Schreiben haben. Und deswegen wäre ich froh, wenn sich Leser bewusst darüber werden, dass auch in E-Books eine Menge Arbeit steckt, die angemessen bezahlt werden will.
Ehrlich, sind 2.99- 4.99 (je nach Seitenanzahl) zu viel verlangt für diese Arbeit? Für diese Lesestunden? Zu viel, so dass man sich das E-Book gratis auf einer Piratenseite runter lädt oder sich den Preis nach dem Lesen zurückerstatten lässt?
Ich gebe mir große Mühe, dem Leser ein gutes Buch zu bieten. Es wäre schön, wenn der Leser sich im Gegenzug die Mühe machen würde, dieses anzuerkennen.

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11 Gedanken zu “Sind E-Books nichts wert?

  1. Hat dies auf Nina C. Hasse rebloggt und kommentierte:
    Meine liebe Kollegin Arwyn Yale hat einen tollen Beitrag geschrieben, den ich hier teilen möchte, denn ich bin ganz ihrer Meinung. Für einen Karamell-Latte-Frappucchino-schieß-mich-tot geben die Leute ohne mit der Wimper zu zucken vier bis fünf Euro aus – und dann ist ein 200-seitiger Roman mit unter drei Euro zu teuer?

  2. Ich gehöre zwar zu den Leuten die beim Lesen lieber Papier zwischen den Händen haben…. Aber ich finde ganz eindeutig, daß der Preis für solch ein E-Book nicht zu teuer ist! Es steckt genauso Arbeit, Mühe und Liebe dahinter, als wenn es auf Papier gedruckt würde! Leider würdigen das viele Mitmenschen heute nicht mehr, nicht nur bei (E-)Büchern, sondern auch bei vielen andren Dingen, die bitte möglichst von hoher Qualität sein sollen und gleichzeitig aber preislich nciht das kosten sollen was sie Wert sind! Schade sowas und besonders arm, wenn sich noch jemand über einen Preisbeschwert, den er/sie selbst nicht mal dafür gezahlt hat, weil es für lau war 😦

  3. Diskussionen um Preise für mehrere Stunden Lesespaß sind albern.

    Wer die paar Euro lieber für Schnapps, Zigaretten, Kaffee oder Kuchen ausgibt oder fürs Busfahren statt zu Fuß zu gehen, ist eben kein Buchkäufer, sondern ein Schnorrer.

    Bücher bieten ein grandioses Preis-/Leistungsverhältnis.
    Ich habe viele tausend DM/Euro für It-Fachbücher ausgegeben und damit hunderttausende verdient.
    Was sind z.B. 40 Euro für ein Fachbuch? Das ist marginal im Vergleich zu den Tageseinnahmen, die ich mit dem Wissen erzielen kann.

    Deshalb finde ich: Entweder bietet ein Sachbuch guten Inhalt. Dann ist es das zausendfache der übluchen Preise wert.
    Oder es bietet sie nicht. Dann ist umsonst noch zu teuer, weil man Zeit damit vertrödelt hat.

  4. Danke für diesen Artikel! ich selbst habe meinen (unseren, da Kooperation) neuen Roman für 2,99 anlaufen lassen, um ein Statement gegen die 99-Cent-Mentalität zu setzen – mit vernichtendem Misserfolg. Das Buch wurde kaum gekauft, obwohl es super Rezensionen hatte. Konsequenz: Dann eben doch 99 Cent (lieber den Spatz in der Hand…). Ich kann es mir nicht leisten, 500 Euro und mehr in ein Buch zu investieren, das sich nicht verkauft. Trotzdem halte ich es für sehr, sehr schwer, die Masse der Leser davon zu überzeugen, dass Bücher 2,99 und mehr wert sind, wenn so viele für weniger angbeboten werden.

    Da hilft wohl nur: Sich einen Namen machen und Leserbindung fördern, sodass man genug Leser hat, die auch höhere Preise bezahlen :/

    1. Ich habe am 30.07, inspiriert durch diesen Blogpost, auch einen Artikel zu diesem Thema geschrieben: http://blog.richardnorden.de/der-wert-von-ebooks-oder-realitaets-check-fuer-autoren/
      In dem Artikel rechne ich u.a. genau durch, wie viele Exemplare eines eBooks man verkaufen muss, um z.B. mit einem VK von 99 Cent auch nur die erwähnten Fixkosten von 500 Euro wieder reinzuholen – über 1.700 Stück, bevor man auch nur einen einzigen Cent an dem Buch verdient.
      Meiner Meinung nach ist es sinnvoller, den Leser durch ein gelungenes Cover und einen guten Werbetext so neugierig zu machen, dass er das Buch unbedingt lesen will, als auf der Billigpreis-Schiene (oder gar mit Gratis-Aktionen) konkurrieren zu wollen. Das führt ansonsten nur auf einer Endlosspirale nach unten, die auf Dauer nur mit einer völligen Entwertung digitaler Bücher enden kann.

  5. Toller Artikel, der die ganze Misere der Billig-eBooks auf den Punkt bringt. Leider steht in der Tat auf der anderen Seite das überteuerte Angebot der Verlage. Was auch gern vergessen wird: Ein eBook kann man nicht genauso layouten wie eine Printausgabe – vor allem nicht, wenn es illustriert ist. Aber man kann ein eBook „schön“ machen! Und ein eBook ist eben auch ein Buch! Und es verdient nicht nur anständige Behandlung, sondern auch einen anständigen Preis. Davon abweichen kann man meiner Meinung nach nur, wenn es sich um eine sehr kleine Ausgabe handelt (z.B. Kurzgeschichte, oder wie bei mir, ein kleiner Lyrikband), wenn es eine Marketingaktion ist (so gesehen neulich als „XXL_Leseprobe“ von ca. 100 Seiten, die gratis angeboten wurde) oder wenn man beispielsweise Texte, die im Netz auch frei verfügbar sind, als Buch herausgeben möchte. Meine Romane jedenfalls wird es nicht für Schleuderpreise geben. Und unter dem Strich muss ich sagen: Es ist zwar anstrengender, Leser zu finden, aber auf lange Dauer lohnt es sich dann doch. Herzliche Grüße – und den Artikel verbreite ich mal gleich weiter 🙂

  6. Ja, du hast recht. ich weiß nicht, warum sehr viele e-book Autoren ihr Herzblut zu Schleuderpreisen anbieten.

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