Das Problem mit der Sichtbarkeit von Autoren

Sichtb.

Sichtbarkeit in den Buchshops ist besonders für Selfpublisher wichtig. Anders als Verlagsautoren müssen sie sich um alles selbst kümmern, auch wenn die meisten Autoren Aufgaben wie Covergestaltung, Lektorat und Korrektorat und Satz an Dienstleiter abgeben. Werbung ist nicht so einfach und das Budget meistens knapp. Preisaktionen sind da eine gute Möglichkeit, schnell neue Leser zu finden. Doch das Angebot ist riesig und so wird auch hier der Werbeeffekt immer schwieriger.
Es gibt Autoren, die ballern jede Facebook-Gruppe mit ihrem Link zu ihrem Buch zu. Oftmals mit wenig geistreichem Text dazu. Von Jetzt neu! bis Kurze Zeit im Angebot zum Spottpreis oder einfach ganz ohne Text. Diese Autoren ziehen schnell den Unmut der Gruppenmitglieder auf sich. Zumal, wenn in der Gruppe Eigenwerbung verboten ist. Dann gibt es haufenweise Gruppen, die Werbung zulassen. Manche sind nur für Preisaktionen, andere gelten nur für bestimmte Genres etc. Der Effekt ist sowieso quasi nicht vorhanden, denn in solchen Gruppen tummeln sich 99,9% Autoren, die außer ihrem eigenen Werbelink nix zur Gruppe beitragen. Es ist sozusagen eine reine Börse für Werbelinks, für sie sich keiner interessiert, weil es dort keine Leser gibt. Das Argument von den oftmals nicht einsichtigen Autoren: Jeder Autor sei doch auch Leser. Das stimmt. Das ändert trotzdem nichts daran, dass sich dort fast nur Autoren aufhalten, die der Gruppe nur beigetreten sind, um ihr Buch zu bewerben und alle anderen Beiträge auf »stumm« geschaltet haben.

Die Reichweite von Fanseiten bzw. Autorenseiten ist drastisch zurückgegangen, seitdem man für mehr Sichtbarkeit zahlen muss. Manche Beiträge auf den Autorenseiten erreichen gerade mal eine Reichweite zwischen 8 und 23 Nutzern. Wenn dann niemand von diesen Leuten den Beitrag liked, geht er völlig unter. Je mehr Likes, umso mehr Sichtbarkeit bekommt er. Wenn man nicht so viele »Fans« hat, ist Facebook also keine gute Möglichkeit, so auf sein Buch aufmerksam zu machen. Eine gut frequentierte Autorenseite zu bekommen, ist nicht mehr so leicht wie noch vor ein paar Jahren. Es gibt massenweise Seiten; die Leute wollen einen Mehrwert. Diesen zu bieten braucht Zeit. Zeit, die zum Schreiben fehlt. Zudem müssen neue und unbekannte Autoren mit bekannteren Kollegen konkurrieren, die ein größeres Budget zu Verfügung haben und regelmässig durch Gewinnspiele, bei denen es oft hochwertige Preise wie einen E-Book- Reader, ein Wochenendtrip zum Handlungsort im neuen Buch oder einen Gutschein im Wert von 50-100 Euro zu gewinnen gibt, zahlreiche neue Likes auf ihrer Seite generieren.,
Ob diese Gewinnspiele auf lange Sicht wirklich mehr Leser bringen, ist bei den Selfpublishern mitunter strittig. Natürlich sind da viele »Abstauber« bei, und einige, die ihr Like nach Beendigung sofort wieder der Seite entziehen. Aber viele denken eben nicht daran, oder beginnen, sich im besten Fall tatsächlich für die Bücher zu interessieren.

Wie also bekommt man Sichtbarkeit, wenn man (noch) keine zahlreichen Leser hat und nicht so gut vernetzt ist. Bezahlte Facebook-Werbung ist zum einen teuer, zum anderen bringen die wenigsten gesponserten Beiträge wirklich neue Leser. Die wenigsten Leute klicken auf den Amazon/Weltbild/Thalia Link. Je mehr man für die Werbung bezahlt, umso mehr Leuten wird sie angezeigt, umso mehr Leute sind dabei, die auf den Link klicken. Von 100 klicken vielleicht 2-5 Leute auf den Link. (Grob geschätzt. Der Erfolg ist von so vielen Dingen abhängig wie z. B. schönes Wetter, Feiertage, gibt es gerade gehypte Neuerscheinungen, Uhrzeit, Jahreszeit etc. Diese Werte können also ganz drastisch schwanken.) Das ist nicht viel. Man bräuchte ein großes Budget, um 50 Leute zu erreichen, die auf den Link klicken. Und wie viele von denen Kaufen dann wirklich das Buch? Richtig. Kaum welche bis gar keine.
Facebook-Werbung eignet sich, um neue Likes für die Autorenseite selbst zu bekommen (wobei fraglich ist, wie nützlich die sind. Denn es liken viele Leute, die sich gar nicht für den Autoren interessieren), um einzelne Beiträge sichtbarer zu machen und so einige neue potenzielle Leser anzusprechen (schon sinnvoller, denn es wird mehr Freunden in der eigenen Freundesliste angezeigt und die interessieren sich in aller Regel für Bücher und Literatur. Es nützt ja nix, dass Leute die Seite liken, die mit Büchern gar nichts am Hut haben und nicht lesen). Direkte Verkäufe erzielt man damit in aller Regel nicht. E ist also effektiver, die Sichtbarkeit der einzelnen Beiträge zu erhöhen, und nicht, mehr Fans für die Seite zu bekommen.

Eine weitere Möglichkeit ist, Facebook-Freunde direkt zu bitten, Beiträge für Gewinnspiele, Preisaktionen und Neuerscheinungen zu teilen. Und dies scheint tatsächlich Erfolg versprechend zu sein. Leider fällt es einigen Selfpublishern schwer, Freunde per PN zu bitten das Buch zu teilen.
Es hat etwas von sich aufdrängen zu tun und liegt mir zum Beispiel gar nicht. Ich denke dann immer, ich belästige die Leute, die sowieso zig solcher Bitten bekommen.
Letztens habe ich es tatsächlich doch gemacht. Mein Thriller Todesschwestern war im Kindle Deal. Zwar hatten einige Leute den Beitrag zu geliked, aber nur einer hatte ihn geteilt, obwohl ich in dem Beitrag darum nett gebeten hatte (Es wäre super, wenn Ihr den Beitrag teilt, damit Nathan viele neue Leser findet) Ich schrieb also die Leute in meiner Freundesliste an, von denen ich wusste, dass sie das Buch entweder gelesen hatten und von denen ich annahm, dass sie und ihre Freunde sich dafür interessieren würden. Ich hatte damit gerechnet kaum Rückmeldungen zu bekommen und war umso überraschter, als fast alle versprachen den Beitrag zu teilen. Fast alle hielten sich auch daran. Ich war geschockt.
Aber hier gilt: Es ist wie im echten Leben. Wenn man umzieht und die Leute nicht einzeln fragt, ob sie beim Umzug helfen könnten, hilft meist keiner. Die wenigsten sagen von sich aus »Hey, brauchst du noch Helfer?«
Fragt man sie direkt, sagen viele zu (leider höre ich immer wieder von Freunden, dass die Hälfte davon dann kurzfristig absagt, gar nicht erscheint oder erst kommt, wenn schon alles erledigt ist.)
Hier gilt also auch, je mehr man fragt, umso sicherer kann man sein, dass man nachher nicht alleine dasteht.
Woran liegt das? Sind die Menschen von Natur aus träge? Nein. Bei der Umzugsgeschichte wie bei Facebook denken die meisten, ach, da helfen bestimmt schon genug andere.
Bei einem Unfall fahren ja auch viele vorbei, weil sie denken, der Fahrer hinter denen wird schon anhalten. (Was für mich überhaupt keine Entschuldigung ist!)
Die Facebook-Chronik bei mir wird im Moment regelrecht überflutet von Adventskalenderspielen. Ich sah heute Morgen bestimmt zwanzig solcher Beiträge nacheinander. Die kann man nicht alle teilen. Wenn mich jemand direkt per PN fragt, teile ich Beiträge, solange es nicht überhandnimmt. Und das ist das Problem. Ich kann verstehen, dass man nicht ständig Beiträge von Aktionen, Neuerscheinungen und Gewinnspielen teilen möchte. Dass zwischen zwei eigenen verfassten Beiträgen zehn bis fünfzehn »Werbebeiträge« dabei sind.
Da fängt man an, zu sortieren. Teilt eher Beiträge von Leuten, mit denen man mehr interagiert. Doch manches Mal entgeht einem auch was. Ich bin zum Beispiel oft nur kurz bei FB. Zudem werden mir auch nicht alle Beiträge meiner Freunde angezeigt, auch wenn ich diese abonniert habe. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Beiträge mir FB vorenthält, auch von Leuten, mit denen ich regelmäßig via FB in Kontakt stehe. Von einigen Freunden werden mir gar keine Beiträge mehr angezeigt – seit Wochen – obwohl ich ihre Beiträge abonniert habe.
Und dann wird meine Chronik überschwemmt von Beiträgen fremder Leute, die meine Facebook-Freunde geliked oder kommentiert haben. Das nahm wirklich überhand und ich ärgerte mich, dass mir von Freunden nix angezeigt wird, aber zehn Beiträge hintereinander von mir völlig unbekannten Leuten, die über Themen sprachen, die mich gar nicht interessieren. Das ließ sich erst abschalten, nachdem ich diese mir unbekannten Leute leider blockieren musste, damit sie nicht immer und vor allem so penetrant in meiner Chronik angezeigt werden.

Mein Fazit, was ich gezogen habe: Ohne Eigeninitiative läuft auch in Sachen Büchern nix.
Man muss es in Kauf nehmen, Leute zu belästigen, wenn man will, dass seine Beiträge geteilt werden.
Zurückhaltende Autoren haben es somit schwerer.
Wenn man nicht »forscher« wird, gewinnt man weniger und langsamer neue Leser und der Bekanntheitsgrad stagniert.

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5 Gedanken zu “Das Problem mit der Sichtbarkeit von Autoren

      1. Funktioniert leider nicht. Die Ausgaben für die Fyler würden den Nutzen bei weitem übersteigen. Man muss schon da werben, wo das Publikum da ist. Kaum einer greift sich einen Flyer am schwarzen Brett und nimmt sich dann zu Hause die Zeit online nach dem Buch zu gucken.

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