Das Problem mit dem „Ein Zeichen setzen.“

 

 

Die Politiker sind sich einig. Wir müssen ein Zeichen gegen den Terror setzen. Deswegen sei es wichtig und richtig, das UEFA Champions League Spiel am nächsten Tag stattfinden zu lassen. Die Spieler fragte keiner. Trainer Thomas Tuchel hätte sich verständlicherweise mehr Zeit gewünscht.

Zitat aus einem Interview Wir hatten das Gefühl, dass wir behandelt werden, als wäre eine Bierdose an unseren Bus geflogen“ Per SMS wurde er kurz nach dem Anschlag darüber informiert, dass das Spiel auf den nächsten Tag verschoben wurde. Keine 24 Stunden nach diesem Schock-Erlebnis.

Breits kurz nach dem Anschlag meldeten sich verschiedene Politiker zu Wort, sprachen davon, man müsse dem Terror trotzen und dürfe sich nicht in die Knie zwingen lassen. Leicht zu sagen, wenn man selbst nicht in dem Bus gegessen hat. Ich glaube, den meisten Menschen hätten noch Tage danach die Knie geschlottert, an Fußballspielen wäre nicht zu denken gewesen. Vermutlich hätte ich selbst nicht einmal den Weg zur Mülltonne geschafft. Aber Fußballer erfüllen ja eine Vorbildfunktion, sie müssen auf Knopfdruck fit sein, es ist ihr Job, Leistung zu bringen, jederzeit und anscheinend zu jedem Preis. Sie eignen sich somit auch ganz hervorragend dafür, Deutschland in Zeiten des Terrors als eine starke Nation darzustellen. Die Welt soll sehen, dass wir uns nicht in die Knie zwingen lassen, dass wir „jetzt erst recht“ weitermachen. Sie wurden von Fußballern zur Galionsfigur gemacht. Ohne Rücksicht auf die emotionale Verfassung. Augen zu und durch. Es ist wichtiger Flagge zu zeigen, dem Terror zu trotzen, als Menschen, die Fußballspieler zweifelsfrei nun einmal sind, nach einem solch schrecklichen Ereignis Luft holen zu lassen. Es ging nicht mehr um Fußball. Es ging um Politik. Um Trotz. Um Macht.

Keine Verwundbarkeit zeigen. Der Terror hat uns nicht getroffen, das soll die Welt ganz sehen. Dafür ist anscheinend kein Preis zu hoch. Menschlichkeit adé.

Wir stellen uns alle ganz klar gegen den Terror. Aber bitte mit Menschlichkeit, mit Verstand, mit Rücksicht. Alles Worte, die Terroristen fremd sind. Und unseren Politikern im Moment auch.

 

 

 

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