Eine Nacht in der Buchhandlung

Als Kind habe ich mir immer gewünscht, mal über Nacht in einen Supermarkt eingesperrt zu werden und all die leckeren Süßigkeiten auszuprobieren. Mittlerweile mag ich Bücher aber viel mehr als Süßigkeiten und deswegen war ich richtig happy, als mir mein Freund zum Valentinstag einen Gutschein für eine Übernachtung in einer Buchhandlung geschenkt hat (plus Begleitperson, inklusive Frühstück in einem nahen Café).

Der Eingangsbereich

Ich musste nicht lange überlegen, wen ich dazu einladen würde. Noch am selben Abend fragte ich meine Freundin und Autorenkollegin Manuela Inusa (die gerade ihren neuen Roman „Auch donnerstags geschehen Wunder herausgebracht hat), die begeistert zugesagt hat.

Ein Termin war schnell gefunden. Wir einigten uns auf Mitte April.

Vorgestern war es also soweit. Gegen viertel vor vier holte ich Manuela vom Bahnhof ab. Da ich noch nicht so lange hier wohne, kannte sie weder Buxtehude noch die Wohnung. Mit schwerem Gepäck liefen wir durch die Altstadt und am Fleth vorbei, so dass sie die Stadt ein bisschen kennenlernen konnte. Auch zeigte ich ihr den Buchladen, wo wir um 18 Uhr hingehen würden. Nach einem Rundgang durch die neue Wohnung, Tee und veganen Keksen, machten wir uns mit noch mehr Gepäck (meine Reisetasche konnte ich kaum tragen, ich muss immer meine halbe Wohnungseinrichtung mitnehmen) auf den kurzen Weg zur Buchhandlung.

Die Türglocke bimmelte beim Eintreten, die Buchhändlerin hatte uns allerdings gar nicht auf dem Zettel, aber das machte nichts. Wir luden unser Gepäck ab, bekamen den Schlüssel und sollten um viertel vor sieben wiederkommen. In der Zwischenzeit wollte sie das Bett aufstellen und die Gutscheine für das Frühstück ausstellen.

Das passte uns ganz gut, denn wir wollten uns sowieso noch Sushi holen, was wir vorher – da ich mal wieder getrödelt habe und eine viertel Stunde lang meine Jogginghose gesucht habe, die längst in der Reisetasche lag – nicht geschafft hatten. Ob wir wüssten, ob der Lieferant früh morgens käme. Nee, sagten wir. Wann denn? Wir rechneten so mit sechs, sieben Uhr und waren erschrocken, als sie vier Uhr sagte. Aber er hätte einen Schlüssel, nur dass wir uns nicht erschrecken. Okay, gut vorgewarnt zu sein. Das war das einzig Negative, was uns ein bisschen Bauchschmerzen bereitete.

Beim Sushi-Laden um die Ecke warteten wir ca. 15 Minuten, unterhielten uns über Dies und Das und genossen die tolle Aussicht auf das Wasser. Wir bummelten noch in ein paar Läden, dann trafen wir um viertel vor sieben wieder in der Buchhandlung ein. Die Buchhändlerin zeigte uns Bad, Küche und Sicherungskasten, bevor sie nach Hause ging.

Manuela Inusa
Manuela Inusa

Nun hatten wir die ganze Buchhandlung für uns alleine. Ein bisschen komisch fühlte sich das schon an. Ganz alleine im Laden, rundherum Bücher in den Regalen, die darauf warteten, entdeckt zu werden. Zuerst setzten wir uns an einen kleinen Tisch mitten im Laden und aßen unser Sushi, denn unsere Mägen knurrten wie verrückt. Nach dem Essen machten wir einen Rundgang, um uns einen groben Überblick zu verschaffen, wo welches Genre lag. Natürlich blätterten wir uns durch die ganzen Bücher, lasen viele Klappentexte, schauten uns genau die Cover an und stellten fest, dass uns ziemlich viele Romane neugierig machten. Überwiegend Krimis.  Irgendwann suchten wir uns ein paar Bücher aus und begannen von allen das erste Kapitel zu lesen. Und zwar nur das erste!

Bei den ersten beiden Büchern war es echt schwer, denn sie waren so spannend, dass ich am liebsten weitergelesen hätte. Aber da ich in die anderen auch noch reinlesen wollte, zwang ich mich, sie beiseite zu legen. Schnell war aber klar, dass ich den Büchergutschein, der inklusive war, für die beiden Bücher einlösen würde. Das nächste Buch war interessant, aber irgendwie war ich dafür nicht in der richtigen Stimmung und kam nicht über drei Seiten hinaus, also legte ich es weg und nahm das nächste.

wir dekorierten auch kurzzeitig um 😉

Irgendwann war es ein Uhr und wir waren richtig müde, aber es gab noch so viele Bücher, die angelesen werden wollten. Ich trank eine Fritz Cola, was ich später noch bereute (Koffein bei Leuten mit Hang zu Panikattacken und Schreckhaftigkeit ist nie gut) und schlenderte weiter die Regalreihen entlang. Immer wieder fanden wir Bücher, die wir vorher nicht gesehen hatten. So fand ich zum Beispiel nur durch Zufall „Pride und Prejudice“ in der englischsprachigen Abteilung. Als Manuela es angucken wollte, gab ich es ihr nur widerwillig mit den Worten: „Aber das ist meins, bei Mr Darcy verstehe ich keinen Spaß.“ Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich Mr Darcy liebe. Zwar habe ich eine englischsprachige Ausgabe von dem Buch, die Schrift ist allerdings so klein und die Absätze so eng, dass es sehr anstrengend ist, mehr als drei Seiten am Stück zu lesen. Diese Ausgabe jedenfalls war toll und musste adoptiert werden!

Ab und zu knackte es, dann suchten wir noch wie blöde mein Brötchen, das ich mir abends gekauft hatte und wohl beim Bäcker nach dem Bezahlen liegen gelassen haben musste. Zwischendurch kam uns der Gedanke, was ist, wenn hier noch jemand mit uns in der Buchhandlung ist, der mein Brötchen geklaut hat. Einige Bücher lagen auch auf einmal woanders … wir beschlossen, nicht darüber nachzudenken und das Licht anzulassen.

Gegen zwei Uhr stellte ich meinen Laptop auf und wir schauten Wonder Boys (passend zum Abend ein Film über einen Literaturprofessor, der verzweifelt versucht, seinen Roman fertig zu schrieben). Kurz vor Ende schliefen wir aber irgendwie ein. So richtig schlafen konnte ich allerdings nicht, was zum einen an der ungewohnten Umgebung als auch an der speziellen Situation lag. Gegen halb fünf kam der Lieferant und tauschte irgendwelche Kisten aus, dann war er aber auch schon wieder verschwunden. Ich schaute trotzdem nach, ob er auch richtig abgeschlossen hatte.

früh morgens. Zerzauste Haare, kein Mak-up, zu wenig Schlaf, aber dennoch gut drauf

Früh morgens stöberten wir noch ein bisschen weiter, dann machten wir uns fertig, packten unsere Sachen zusammen und schon kam die Buchhändlerin gegen viertel vor neun. Wir kauften die Bücher, die uns am meisten interessierten, auch wenn ich noch viel mehr hätte kaufen können. Allerdings ist mein SuB (Stapel ungelesener Bücher) schon sehr hoch.

Dann machten wir uns schwer beladen ins nahe gelegenen Café. Dort war es bereits ziemlich voll, aber uns hatte man zum Glück einen Tisch reserviert. Ich genoss den entkoffeinierten Latte Macchiato, Manuela ihren Orangensaft, wir aßen ein Brötchen und stellten fest, dass wir ziemlich müde aber sehr glücklich waren. Ein tolles Abenteuer für Bücherfans!

Frühstück.

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3 Gedanken zu “Eine Nacht in der Buchhandlung

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