Darf ich vorstellen? Der Neue …

Kein Nathan O’Brian Roman, aber auch ein toller Krimi  (Nathan bekommt aber auch noch einen neuen Fall)

 

Handlungsort ist das fiktive kleine Städtchen Dunby, östlich von Brighton. Ich habe mich dieses Mal für einen fiktiven Ort entschieden, weil ich auch die umliegenden Orte ganz nach meinen Bedürfnissen anpassen wollte. Es ist gar nicht so ungewöhnlich, einen Ort zu erfinden.  Peter Robinsons Ermittler Alan Banks ermittelt  im fiktiven Eastvale in Yorkshire. Durch die Alan Banks Reihe habe ich übrigens vor Jahren meine Liebe für britische Krimis entdeckt. Die Serie wird mittlerweile verfilmt, aber da ich die Bücher kenne und liebe, mag ich die so gar nicht, weil die Figuren so ganz anders dargestellt werden als in den Büchern. Ist ja leider öfter so. Zurück zu Ben Cunningham, meinem Ermittler. Er ist Anfang 40, verheiratet und hat drei Kinder im Teeniealter.

Ich habe bewusst eine Familie ausgewählt, weil ich dieses Klischee vom kaputten, geschiedenen Ermittler nicht so mag. Das überlasse ich Ian Rankin, der mit John Rebus eine ganz tolle Figur geschaffen hat, die zwar solche Klischees erfüllt, aber der existiert auch schon einige Jahrzehnte. Eine Ehe und Kinder heißt ja nicht, dass der Ermittler langweilig sein muss. Im Gegenteil, es gibt ja noch ganz andere Eigenschaften, die eine Figur ausmachen und interessant machen können. Weitere Figuren sind Megan Haines, die mit ihm zusammenarbeitet und eine große Hilfe ist, und Josh Barton, ein junger Detective Constable, der ziemlich hektisch ist und es allen recht machen möchte. Sie alle haben einen kniffligen Mordfall zu lösen mit wenig Personal, denn wie im ganzen Land werden auch in Dunby die Mittel gekürzt …

 

Ein kleiner Ausschnitt:

Cunningham fuhr über einen Umweg zurück zum Revier. An der Brick Road bog er nach rechts, entlang an wundervoll erhaltenen viktorianischen Häusern, die so perfekt gepflegte Vorgärten hatten, dass seine Frau jedes Mal ins Schwärmen geriet, wenn sie auf dem Weg zu einem Elternabend daran vorbeifuhren.

Die Schule seines Sohnes Ethan lag am Ende einer Sackgasse. Ein Rotklinkerbau aus den Siebzigern mit Flachdach und einem von Unkraut überwuchernden Schulhof. Obwohl schon seit einer Stunde Schulschluss war, standen immer noch Grüppchen von Jugendlichen bei den Fahrradständern, lachten, rauchten, schubsten sich spielerisch und zeigten einander vermutlich die neusten Pornos auf ihren Handys.

Er entdeckte Ethan sofort. Er stand mit drei Klassenkameraden, die ihn alle um mindestens einen Kopf überragten, abseits am Zaun und blickte lachend auf das Display eines Handys, das ihm ein Junge unter die Nase hielt. Cunningham hoffte, dass es nur ein harmloses Nacktbild war und keins dieser Happy-Slapping Videos oder anderer kranker Mist.

Als Cunningham den Motor abstellte, blickten sie hoch. Ethan schulterte seinen Rucksack, schob sich an den Jungs vorbei und kam aufs Auto zugelaufen.

Cunningham ließ das Seitenfenster herunter.

»Was machst du hier?«, fragte Ethan gereizt und blickte über seine Schulter zu den Jungs, die ein Handy herumreichten und lauthals lachten.

»Ich …« Cunningham räusperte sich und wurde sich plötzlich bewusst, dass er es nicht wusste. Er hatte einfach das Bedürfnis verspürt, zu gucken, ob alles in Ordnung war. Natürlich war es das. Da er sich nun davon überzeugt hatte, dass es Ethan gut ging, fühlte er seltsamerweise jedoch keineswegs ein Gefühl der Erleichterung.

»Evanna ist aus der Psychiatrie entlassen worden.«

Ethan sah ihn einfach nur an.

Er studierte das Gesicht seines Sohnes sorgfältig, und das kurzzeitige Aufflackern von Angst in den Augen entging ihm nicht.

»Wieso erzählst du mir das?« Seine Stimme zitterte; er räusperte sich und täuschte einen Hustenanfall vor.

»Ich weiß nicht. Ich dachte, du solltest das wissen.«

»Sie wird ja wohl kaum wieder auf diese Schule gehen, oder?«

»Kaum«, erwiderte Cunningham.

»War’s das?«, fragte er. Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte er sich um und ging zu seinen Freunden zurück.

Zurück auf dem Revier erwartete ihn die übliche Hektik. Uniformierte hetzten mit kleinen Notizzetteln durch die Gänge, Verdächtige in Handschellen, die lauthals die Justiz beschimpften und im gleichen Atemzug nach einem Anwalt verlangten, wurden in Vernehmungszimmer geführt. An jeder Ecke klingelten Telefone, wurden Aktenordner gereicht und wild auf Tastaturen eingehämmert.

Im dritten Stock, wo sich die Kriminalpolizei befand, ging es nicht ruhiger zu. Normalerweise nahm Cunningham die Geräuschkulisse gar nicht mehr wahr. Doch heute verursachte jeder Teelöffel, der gegen einen Keramikbecher schlug, jeder Buchstabe, der auf der Tastatur getippt wurde und jedes Rascheln von Aktenblättern, ein Pochen in seinem Schädel.

»Ist Ihnen nicht gut, Sir? Sie sehen blass aus.«

 

 

 

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